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Kerosin-Pflichtlager unter Soll und Hormus bleibt ein Risikofaktor: Wie gut sind Diesel und Benzin in der Schweiz abgesichert – und was bedeutet das für Bau und Handwerk?

Kerosin unter Soll, Diesel und Benzin derzeit nicht

Die Schweiz hat bei den Pflichtlagern für Flugpetrol aktuell eine Lücke. Laut einer am 21. April 2026 veröffentlichten Meldung unter Berufung auf das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung reicht der Bestand derzeit nur noch für 72 Tage statt für die gesetzlich vorgesehenen 90 Tage. Hintergrund ist, dass der Flugpetrol-Verbrauch seit der Covid-Zeit stark gestiegen ist und die Pflichtlager nur verzögert nachgezogen werden können.

Bei Diesel und Benzin ist die Lage derzeit anders. Die gesetzliche Pflichtlager-Vorgabe liegt weiterhin bei 4,5 Monaten. Im aktuellen Lagebericht der Wirtschaftlichen Landesversorgung vom 13. April 2026 hält der Bund fest, dass die Versorgung der Schweiz mit allen Mineralölprodukten derzeit weiterhin gewährleistet ist. Wörtlich heisst es zudem, unter der Annahme bestätigter Liefermengen sei die Versorgung voraussichtlich bis Ende April 2026 gesichert.

Hormus bleibt ein Risikofaktor – auch ohne vollständige Sperre

Für die Einordnung ist entscheidend: Das Problem ist aktuell nicht nur der Pflichtlagerstand beim Kerosin, sondern auch die Unsicherheit auf der wichtigsten Energie-Route der Welt. Reuters berichtete am 21. April 2026, dass der Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormus weiterhin weitgehend blockiert blieb. In den vorangegangenen 24 Stunden passierten laut Reuters nur drei Schiffe die Passage, verglichen mit rund 140 Schiffen pro Tag vor der Eskalation. Hunderte Schiffe und rund 20’000 Seeleute sassen weiterhin im Golf fest.

Das passt auch zur Einschätzung des Bundes. Der BWL-Lagebericht hält fest, dass die Lage trotz Waffenruhe angespannt bleibt. Selbst nach einer Öffnung der Strasse von Hormus würden Lieferungen aus dem Nahen Osten Europa nur verzögert erreichen, und die Wiederinbetriebnahme der Energieinfrastrukturen werde Monatebeanspruchen. Für Mai 2026 sei zudem mit reduzierten Lieferungen nach Europa zu rechnen.

Was man aktuell sauber sagen kann – und was nicht

Sauber belegt ist derzeit: Kerosin ist unter Soll, während bei Diesel und Benzin aktuell keine offiziell gemeldete Unterdeckung vorliegt. Ebenfalls sauber belegt ist, dass die Versorgungslage vom Bund eng beobachtet wird und bei Bedarf Pflichtlager freigegeben werden könnten.

Für Bau und Handwerk ist Diesel der eigentliche Schlüssel

Für die Schweizer Bau- und Handwerksbranche ist nicht Flugpetrol der zentrale Punkt, sondern Diesel. Baumaschinen, Lieferwagen, Lastwagen, Werkverkehr, Servicefahrzeuge und ein Teil der Baustellenlogistik hängen weiterhin direkt oder indirekt an einer stabilen Dieselversorgung. Solange der Bund hier keine Unterdeckung meldet, ist das für Bau und Handwerk eine wichtige Entlastung.

Entwarnung wäre aber trotzdem verfrüht. Denn die aktuelle Lage zeigt, wie schnell geopolitische Spannungen auf Energie, Logistik und Preise durchschlagen können. Reuters schrieb am 16. April 2026, die Verwerfungen rund um Hormus hätten fast ein Fünftel der globalen Ölflüsse betroffen und massive Unsicherheit an den Energiemärkten ausgelöst. Genau solche Störungen treffen am Ende auch jene Branchen, die auf Transporte, Maschinen, Materiallogistik und planbare Margen angewiesen sind.

Die Branche spürt den Druck bereits über die Preise

Für Handwerk, Bau, Gartenbau und Transporte ist die Wirkung schon heute sichtbar – über die Treibstoffpreise. Laut Swissinfo beziehungsweise Keystone-SDA verteuerte sich Diesel in der Schweiz seit Kriegsausbruch zunächst um 22 Prozent auf durchschnittlich 2.13 Franken pro Liter. Eine weitere Meldung vom 9. April 2026 zeigte danach zwar erste Rückgänge, nannte aber für Diesel immer noch rund 2.16 Franken pro Liter, während Benzin bei 1.89 Franken lag. Gleichzeitig wurde betont, dass die Preise an den Zapfsäulen nur verzögert auf Entspannung am Ölmarkt reagieren.

Für Bauunternehmen bedeutet das konkret: Auch ohne physischen Versorgungsmangel können Offerten schneller veralten, Maschinenstunden teurer werden, Transporte aufschlagen und Margen unter Druck geraten. Besonders anfällig sind Betriebe mit hohem Fahranteil, grossen Distanzen, schwerem Gerät oder knappen Kalkulationen.

Was das jetzt für die Baubranche bedeutet

Für die Baubranche ist die Lage damit zweigeteilt. Einerseits ist positiv, dass der Bund aktuell keine Unterdeckung bei Diesel und Benzin meldet und die allgemeine Versorgung mit Mineralölprodukten als gewährleistet einstuft. Andererseits zeigt die Kerosinlücke, dass selbst Pflichtlagersysteme unter Druck geraten können, wenn Verbrauch, Importströme und geopolitische Lage auseinanderlaufen.

Für Handwerk und Bau heisst das vor allem: Treibstoff, Logistik und Zuschläge werden wieder zu einem strategischen Thema. Wer stark dieselabhängig arbeitet, sollte Beschaffung, Einsatzplanung, Preisgleitklauseln, Touren, Lagerhaltung und Lieferketten noch genauer beobachten. Die aktuelle Lage ist noch kein Versorgungsschock für Baustellen in der Schweiz – aber sie ist ein Warnsignal.

 

Quellen-Summary:

Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung, Lagebericht der Wirtschaftlichen Landesversorgung vom 13. April 2026; Swissinfo/Keystone-SDA vom 21. April 2026 zu den Kerosin-Pflichtlagern; Reuters vom 21. April 2026 zur Lage in der Strasse von Hormus; Swissinfo/Keystone-SDA vom 1., 8. und 9. April 2026 zu den Treibstoffpreisen in der Schweiz.

Fazit

Die Schweiz hat derzeit ein Kerosinproblem, aber kein offiziell gemeldetes Diesel- oder Benzinproblem. Beim Flugpetrol reichen die Pflichtlager aktuell nur noch für 72 statt 90 Tage. Bei Diesel und Benzin gilt die gesetzliche Vorgabe von 4,5 Monaten, und der Bund stuft die Versorgung mit Mineralölprodukten derzeit als gewährleistet ein. Gleichzeitig bleibt die Strasse von Hormus ein echter Risikofaktor: Der Schiffsverkehr ist weiter stark eingeschränkt, und der Bund erwartet selbst nach einer Öffnung nur verzögerte Entlastung für Europa.

Für Bau und Handwerk ist das im Moment beruhigend, aber nicht folgenlos. Noch ist Diesel nicht offiziell knapp. Doch höhere Preise, fragile Lieferketten und geopolitische Unsicherheit reichen bereits aus, um Kalkulationen, Transporte und Baustellen unter Druck zu setzen. Die eigentliche Botschaft für die Branche lautet deshalb: Die Versorgung ist noch da – die Verwundbarkeit aber auch.

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