Früher über 100'000 Vergleiche pro Tag – heute weniger. Warum das ein gutes Zeichen sein kann.
Weniger Klicks bedeuten nicht weniger Nutzung
Wer digitale Plattformen analysiert, schaut häufig zuerst auf eine klassische Kennzahl: Page Views oder Klicks. Lange Zeit galt die einfache Logik: Je mehr Klicks, desto erfolgreicher eine Plattform.
Doch mit der zunehmenden Digitalisierung von Daten, neuen Suchtechnologien und dem Einsatz von künstlicher Intelligenz verändert sich dieses Bild. Plattformen entwickeln sich zunehmend von einfachen Webseiten mit vielen einzelnen Unterseiten zu strukturierten Daten- und Informationssystemen, die schneller und effizienter funktionieren.
Auch bei handwerker.ch, der Schweizer Datenplattform für Bau- und Handwerksbetriebe, zeigt sich aktuell ein interessantes Muster: Während die Zahl der Unique User steigt, sind die täglichen Vergleiche und Page Views teilweise tiefer als früher.
Auf den ersten Blick wirkt das widersprüchlich. Tatsächlich ist es jedoch ein typischer Effekt technischer Weiterentwicklung.
Die Plattform wurde technisch grundlegend modernisiert
Im vierten Quartal 2025 hat handwerker.ch eine umfassende Konsolidierung seiner Datenstruktur durchgeführt. Ziel war es, die Plattform stärker als Bau-Intelligence-System zu positionieren – also als strukturierte Datenbasis für Menschen, Suchmaschinen und künftig auch KI-Systeme.
Dabei wurden unter anderem:
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Datenbanken vereinheitlicht
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Kategorien und Branchen klarer strukturiert
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Dubletten reduziert
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neue strukturierte Datenformate wie JSON-LD implementiert
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interne Datenmodelle für Vergleiche optimiert
Parallel dazu wurde mit HandwerkerGPT ein System eingeführt, das vorhandene Daten regelmässig analysiert und in strukturierte Zusammenfassungen überführt, die für Suchmaschinen und grosse Sprachmodelle leichter lesbar sind.
Diese Veränderungen führen dazu, dass Nutzer heute oft schneller zur gewünschten Information gelangen.
Weniger Klicks – mehr Information pro Seite
Früher funktionierten viele Plattformen nach einem einfachen Muster:
Ein Nutzer musste sich durch mehrere Seiten klicken, um zu einer Entscheidung zu gelangen.
Beispielsweise:
Kategorie → Region → Firmenliste → Firmenprofil → Bewertungen → zurück zur Liste.
Heute sind viele dieser Informationen bereits auf einer Seite gebündelt oder direkt vergleichbar. Dadurch sinkt die Anzahl der nötigen Klicks.
Das Ergebnis:
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Die Informationsdichte pro Seite steigt
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Nutzer finden schneller passende Betriebe
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Die Anzahl der Seitenaufrufe pro Nutzer sinkt
Dieses Verhalten lässt sich inzwischen bei vielen modernen Plattformen beobachten.
Auch Suchmaschinen und KI lesen Daten anders
Ein weiterer Grund liegt in der zunehmenden Bedeutung strukturierter Daten.
Suchmaschinen und KI-Systeme analysieren Informationen heute häufig nicht mehr nur über klassische Webseitenstrukturen, sondern auch über maschinell lesbare Datenformate.
Dazu gehören beispielsweise:
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strukturierte Unternehmensdaten
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Ratings und Bewertungen
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Branchen- und Standortinformationen
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zusammengefasste Datensätze
Solche Informationen können direkt aus strukturierten Datenfeldern gelesen werden, ohne dass mehrere Seiten aufgerufen werden müssen. Dadurch entstehen ebenfalls weniger klassische Page Views.
Saisonale Effekte im Bau- und Handwerksmarkt
Neben technischen Veränderungen spielt auch ein klassischer Faktor eine Rolle: Saisonalität.
In der Bau- und Handwerksbranche sind Nachfrage und Projektstarts stark vom Jahresverlauf abhängig. Besonders hohe Aktivität entsteht typischerweise im:
Frühling und Sommer – etwa bei Gartenprojekten, Renovationen oder Umbauten.
Die Wintermonate gehören traditionell zu den ruhigeren Perioden der Branche, wodurch auch digitale Such- und Vergleichsaktivitäten sinken können.
Plattformen verändern sich: von Webseiten zu Dateninfrastrukturen
Die Entwicklung von handwerker.ch zeigt einen Trend, der in vielen digitalen Branchen sichtbar wird.
Während früher möglichst viele Klicks als Erfolgsindikator galten, geht die Entwicklung heute in eine andere Richtung:
Digitale Plattformen werden zunehmend zu strukturierten Dateninfrastrukturen.
Der Fokus verschiebt sich dabei von:
möglichst vielen Seitenaufrufen
hin zu:
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klar strukturierten Informationen
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schnelleren Entscheidungen für Nutzer
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besserer Lesbarkeit für Suchmaschinen und KI-Systeme
Quellen / Hintergrund (Summary)
Allianz Risk Barometer 2026 – Digitalisierung und KI als zentrale Transformationstreiber
Google Search Central – Structured Data und JSON-LD
McKinsey Digital – Plattformökonomie und Datenstrukturen
Analysen zur Plattformnutzung im Bau- und Immobiliensektor (2024–2026)
- 13.03.2026