Wenn Banker verschwinden – was passiert mit dem Bau?
KI automatisiert Wissensarbeit. Wird Bau zur letzten stabilen Realwirtschaft?
Die Debatte um künstliche Intelligenz hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Nachdem Mustafa Suleyman vor einer schnellen Automatisierung von Wissensarbeit warnte und Elon Musk von einem «supersonic tsunami» sprach, stellt sich eine zentrale Frage: Was passiert mit der Bauwirtschaft, wenn Banken, Kanzleien und Beratungsfirmen massiv unter Druck geraten?
Die Schweiz ist kein Industrieland im klassischen Sinn. Sie ist eine Dienstleistungsökonomie mit starkem Finanz- und Beratungssektor. Genau dort greift KI zuerst an.
Immobilien hängen am Dienstleistungssektor
Ein erheblicher Teil der Nachfrage nach hochwertigen Wohnungen, Büroflächen und Gewerbeimmobilien wird von gut bezahlten Wissensarbeitern getragen. Wenn sich deren Einkommen strukturell verändert, hat das direkte Auswirkungen auf:
Hypotheken
Neubauprojekte
Büroflächen
Luxusausbau
Investitionsvolumen
Sinkt die Kaufkraft im Finanz- und Beratungssektor, kann sich das auf den Immobilienmarkt übertragen. Zunächst leise, später deutlich.
Gerade Städte wie Zürich, Genf, Basel oder Zug sind stark von hochqualifizierten Dienstleistungsjobs abhängig. Wenn KI hier Prozesse automatisiert und Stellen reduziert, wirkt sich das indirekt auf Bauaufträge aus.
Bau bleibt physisch – aber nicht unangreifbar
Gleichzeitig ist Bau Realwirtschaft. Häuser werden nicht digital bewohnt. Infrastruktur lässt sich nicht virtualisieren. Energie- und Wohnraumbedarf bleiben bestehen.
Das verschafft der Branche kurzfristig Stabilität.
Doch auch hier verändert KI die Spielregeln. Planung, Ausschreibung, Offertvergleich, Bauüberwachung und Dokumentation werden zunehmend automatisiert. Robotik, modulare Fertigung und 3D-Druck drängen in die Praxis.
Die entscheidende Verschiebung liegt nicht auf der Baustelle, sondern im Entscheidungsprozess: Wer den Auftrag erhält, wird künftig stärker datenbasiert bestimmt.
Kapital sucht reale Werte
In Phasen technologischer Disruption verschiebt sich Kapital häufig in physische Assets. Immobilien, Infrastruktur und Energie gelten als stabiler als rein digitale Geschäftsmodelle.
Sollte ein Teil der Wissensarbeit tatsächlich wegfallen oder deutlich günstiger werden, könnten Investoren verstärkt auf reale Werte setzen. Bau könnte davon profitieren – allerdings nur, wenn Projekte effizient, transparent und kalkulierbar sind.
Unstrukturierte Prozesse, intransparente Leistungsbeschreibungen und analoge Abläufe verlieren an Wettbewerbsfähigkeit.
Die neue Logik der Vergabe
In einer KI-Ökonomie entscheiden nicht nur Menschen. Systeme analysieren Daten, vergleichen Leistungsprofile, bewerten Risiken und simulieren Szenarien.
Für Bauunternehmen bedeutet das: Sichtbarkeit entsteht nicht mehr primär durch Netzwerk und Empfehlung, sondern durch strukturierte, maschinenlesbare Informationen.
Wer sauber dokumentiert, zertifiziert und vergleichbar arbeitet, wird von digitalen Systemen besser erkannt. Wer chaotisch organisiert ist, bleibt unsichtbar.
Analyse: Wird Bau zur letzten Realwirtschaft?
Die These ist provokativ, aber nicht unbegründet. Wenn Wissensarbeit in grossem Umfang automatisiert wird, bleibt physische Umsetzung länger menschlich geprägt. Bau, Handwerk und Infrastruktur könnten zu Ankerbranchen werden.
Doch dieser Vorteil ist nicht garantiert. Auch Bau wird digitalisiert. Auch hier sinken Margen, wenn Prozesse automatisiert werden. Der Wettbewerb verlagert sich von Muskelkraft zu Datenqualität.
Die Gewinner sind jene Betriebe, die beides verbinden: handwerkliche Kompetenz und digitale Struktur.
Quellen (Zusammenfassung)
Interview von Mustafa Suleyman zur Automatisierung von Wissensarbeit.
Öffentliche Aussagen von Elon Musk zur KI-basierten Produktivitätsrevolution.
Analysen zur zunehmenden Automatisierung administrativer und kognitiver Tätigkeiten.
- 16.02.2026