Werden Banken bald nur noch Mitbieter bei Hypotheken sein?
Wie KI und Bauplattformen die Finanzierung von Immobilien neu ordnen könnten
Wer in der Schweiz eine Hypothek braucht, geht traditionell zur Bank. Dort wird gerechnet, geprüft, bewertet und entschieden. Bonität, Tragbarkeit, Objektwert – alles läuft durch die Kreditabteilung. Am Ende steht ein Zinssatz und eine Zusage oder Absage.
Doch dieses Modell könnte sich grundlegend verändern.
Mit der rasanten Entwicklung von künstlicher Intelligenz und datengetriebenen Plattformen stellt sich eine neue Frage: Was, wenn künftig nicht mehr die Bank das Projekt zuerst prüft – sondern eine digitale Bauplattform das gesamte Vorhaben in Echtzeit analysiert, bewertet und mit einem strukturierten Risiko-Score versieht?
Die Verschiebung beginnt bei den Daten
Heute liegen relevante Informationen fragmentiert vor. Baukosten beim Unternehmer, Pläne beim Architekten, Energiewerte beim Fachplaner, Marktpreise bei Maklern, Bonitätsdaten bei Banken. Die Bank bündelt diese Informationen manuell oder halbautomatisch.
KI kann diesen Prozess neu organisieren.
Wenn sämtliche Projektdaten strukturiert erfasst werden – von Offerten und Leistungsprofilen über Referenzen, Zertifizierungen und Bauqualität bis hin zu Markt- und Standortdaten –, entsteht ein digitales Abbild des Projekts. Dieses Abbild lässt sich algorithmisch auswerten: Kostenrisiken, Terminunsicherheiten, Marktgängigkeit, Wiederverkaufswert und langfristige Cashflows können simuliert werden.
Die Bewertung erfolgt nicht mehr punktuell, sondern kontinuierlich. Nicht isoliert, sondern datenübergreifend.
Vom Gatekeeper zum Kapitalanbieter
In einem solchen Szenario verliert die Bank ihre Rolle als alleiniger Gatekeeper. Sie wird zu einem Kapitalanbieter unter mehreren.
Die Plattform würde das Projekt vorprüfen, strukturieren und mit einem standardisierten Rating versehen. Anschliessend wird es – inklusive Risikoanalyse – dem Markt zugänglich gemacht. Banken, Versicherungen, Pensionskassen oder Fintech-Anbieter könnten auf geprüfte Projekte bieten.
Nicht der Kunde bewirbt sich bei der Bank.
Kapital bewirbt sich um das Projekt.
Die Eintrittsbarriere verschiebt sich vom persönlichen Beratungsgespräch zur Datenqualität des Projekts.
Der Immobilienmarkt als Echtzeit-Markt?
Ein solcher Wandel hätte weitreichende Folgen für den Immobilien- und Hypothekenmarkt in der Schweiz. Entscheidungsprozesse würden beschleunigt. Zinssätze würden stärker vergleichbar. Margen gerieten unter Druck. Transparenz nähme zu.
Gleichzeitig steigt die Bedeutung von Plattformen, die über belastbare, strukturierte und vertrauenswürdige Daten verfügen. Wer Projekte vollständig digital modellieren und bewerten kann, kontrolliert den Zugang zu Kapital.
Für Banken bedeutet das nicht das Ende – aber eine neue Rolle im Wettbewerb. Wer keine Schnittstelle zu datengetriebenen Plattformen hat, verliert Geschwindigkeit und Sichtbarkeit.
Was bedeutet das für Bau und Handwerk?
Für Bauunternehmen verändert sich damit die Logik des Marktes. Nicht nur Qualität und Preis entscheiden über den Auftrag, sondern auch die Fähigkeit, Projekte digital sauber abzubilden.
Strukturierte Leistungsprofile, transparente Referenzen, nachvollziehbare Qualitätsindikatoren und vergleichbare Kennzahlen werden zur Voraussetzung für Finanzierung.
Wer seine Daten im Griff hat, erleichtert dem Projekt den Zugang zu Kapital. Wer analog organisiert ist, bremst nicht nur sich selbst, sondern das gesamte Vorhaben.
Vision oder logische Entwicklung?
Was heute visionär klingt, folgt einer bekannten Dynamik. Vergleichsplattformen haben Versicherungen verändert. Digitale Handelsplätze haben Börsen demokratisiert. Zahlungsdienste haben Banken Teile ihres Geschäfts entzogen.
Die nächste Stufe könnte die Hypothek selbst sein.
Wenn KI Kreditprüfung, Objektbewertung und Risikokalkulation automatisiert, wird Finanzierung zu einem datenbasierten Marktplatzprodukt. Die Bank bleibt – aber nicht zwingend als erste Anlaufstelle.
Quellen (Zusammenfassung)
Analysen zur Digitalisierung des Hypothekenmarktes in Europa und der Schweiz.
Entwicklungen im Bereich KI-gestützter Kreditprüfung und automatisierter Risikoanalyse.
Trends zur Plattformökonomie und datengetriebenen Finanzierungsmodellen.
- 17.02.2026