Photovoltaik 2026 in der Schweiz: Neue Regeln, neue Chancen – aber auch neue Unsicherheit
Seit Anfang 2026 gelten in der Schweiz mehrere wichtige Änderungen für Photovoltaikanlagen. Der Winterstrombonus ersetzt den bisherigen Höhenbonus, lokale Elektrizitätsgemeinschaften werden möglich, und auch bei Förderinstrumenten und Auktionen bewegt sich viel. Für die Schweizer Bauwirtschaft und das Handwerk ist das hochrelevant: Denn der Solarmarkt bleibt gross, wird aber technisch, regulatorisch und wirtschaftlich anspruchsvoller.
Was sich 2026 bei Photovoltaik in der Schweiz geändert hat
Swissolar hat die wichtigsten Neuerungen für 2026 Anfang Januar zusammengefasst. Eine der zentralen Änderungen ist der neue Winterstrombonus, der seit 1. Januar 2026 den bisherigen Höhenbonus ersetzt. Er gilt für neue Photovoltaikanlagen ab 100 kW, wenn sie im Winterhalbjahr einen spezifischen Winterstromertrag von mehr als 500 kWh pro kW Leistung erreichen. Damit will die Schweiz gezielt Anlagen fördern, die im Winter einen überdurchschnittlichen Beitrag zur Stromversorgung leisten.
Gleichzeitig wurden mit den lokalen Elektrizitätsgemeinschaften (LEG) neue Möglichkeiten geschaffen, selbst erzeugten Strom lokal innerhalb einer Gemeinschaft zu verkaufen. Laut Swissolar können Teilnehmende im gleichen Netzgebiet, auf derselben Netzebene und in derselben Gemeinde lokal produzierten Solarstrom handeln. Für lokal verbrauchten Strom fällt zudem nicht mehr die volle Netznutzungsgebühr an; der vom Bundesrat festgelegte Abschlag beträgt grundsätzlich 40 Prozent, bei Beanspruchung der Transformationsnetzebene 20 Prozent.
Der Solarmarkt bleibt attraktiv – aber die Anforderungen steigen
Die Förderung bleibt ein wichtiger Pfeiler des Ausbaus. Swissolar hält fest, dass die Vergütungssätze bei der Einmalvergütung 2026 nicht gesenkt wurden. Gleichzeitig zeigt Pronovo, dass die Förderlandschaft differenzierter wird. Für grössere PV-Anlagen ohne Eigenverbrauch ab 150 kW stehen mit der hohen Einmalvergütung (HEIV) und der gleitenden Marktprämie (GMP) zwei verschiedene Förderinstrumente zur Verfügung, die über Auktionen vergeben werden. Die zweite Auktionsrunde 2026 startet am 17. April 2026.
Bei der HEIV kann laut Pronovo eine Förderung von bis zu 60 Prozent der Investitionskosten von Referenzanlagen erreicht werden. Bei der GMP wird ein Vergütungssatz pro Kilowattstunde für 20 Jahre fixiert. Gleichzeitig tragen Produzenten dort auch Marktpreisrisiken mit, denn liegt der Referenzmarktpreis über dem Vergütungssatz, muss die Differenz grundsätzlich zurückerstattet werden.
Warum 2026 für Solarbauer, Elektriker und Dachbetriebe anspruchsvoller wird
Für das Schweizer Handwerk bedeutet das: Der Photovoltaikmarkt bleibt interessant, aber Projekte müssen noch präziser geplant werden. Nicht mehr nur die Montage zählt, sondern auch die Frage, welches Förderinstrument passt, ob Eigenverbrauch vorgesehen ist, ob ein Projekt auktionsfähig ist und ob sich ein Winterstromprofil wirtschaftlich rechnet. Diese Einordnung ergibt sich aus den neuen Förder- und Vermarktungsmodellen.
Für Solarbauer, Elektriker, Dachdecker, Spengler und Generalunternehmer steigt damit die Bedeutung von Beratung, Projektstruktur und technischer Qualität. Wer 2026 Photovoltaik verkauft oder plant, muss nicht nur Module und Wechselrichter verstehen, sondern auch Vergütungssysteme, Netzfragen, Lastprofile und lokale Vermarktungsmodelle. Diese Schlussfolgerung ist eine praxisnahe Einordnung auf Basis der neuen Regeln.
Was die Änderungen für die Schweizer Bauwirtschaft bedeuten
Auch für die Schweizer Bauwirtschaft insgesamt ist die Entwicklung relevant. Photovoltaik ist längst nicht mehr nur ein Zusatzelement auf dem Dach, sondern zunehmend Teil von Neubauten, Sanierungen, Arealentwicklungen und Energieprojekten. Neue Anreize wie der Winterstrombonus können dazu führen, dass Standorte, Dachausrichtungen, Fassadenlösungen und saisonale Ertragsprofile noch stärker in die Planung einfliessen.
Dazu kommt: Mit lokalen Elektrizitätsgemeinschaften wird Strom auf lokaler Ebene wirtschaftlich interessanter. Das kann den Wert gut geplanter PV-Projekte erhöhen – vor allem dort, wo Verbrauch, Speicherung, Lastmanagement und lokale Nutzung zusammen gedacht werden. Für Bauherren, Planer und Investoren wird Photovoltaik damit noch stärker zu einem integralen Bestandteil der Immobilien- und Projektentwicklung. Diese Einschätzung ist eine sachlogische Folgerung aus den neuen LEG-Regeln.
Mehr Chancen – aber auch mehr Unsicherheit
Gerade weil sich der Markt weiterentwickelt, entsteht auch neue Unsicherheit. Unterschiedliche Fördermodelle, Auktionsmechanismen, technische Voraussetzungen und Vermarktungsformen machen Photovoltaik 2026 komplexer. Das ist nicht zwingend negativ, aber es erhöht den Bedarf an Fachwissen, sauberer Projektprüfung und belastbarer Wirtschaftlichkeitsrechnung. Diese Einordnung wird durch die wachsende Zahl an Instrumenten und Regeln gestützt.
Für das Handwerk heisst das: Gute Betriebe werden nicht nur an der Installation gemessen, sondern auch daran, wie sicher sie Kunden durch diese neue Komplexität führen können.
Quellen-Summary
Swissolar zu den wichtigsten Neuerungen für Photovoltaikanlagen 2026, Pronovo zum Winterstrombonus sowie Pronovo zu Förderinstrumenten und PV-Auktionen 2026.
- 16.04.2026