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Der Juni 2026 in der Schweizer Bauwirtschaft und im Handwerk

Ein Monat der Nachfolgeregelungen

Der Juni 2026 war in der Schweizer Bau- und Handwerksbranche stark von Nachfolgefragen geprägt. Besonders sichtbar wurde dies bei der Grob Kies AG im Toggenburg. Das traditionsreiche Familienunternehmen wird im Rahmen einer langfristigen Nachfolgeregelung neu aufgeteilt: Die Bereiche Baustoffe, Transport, Recycling und Entsorgung werden Teil der KIBAG Holding AG; der Geschäftsbereich Bau mit Hoch-, Tief- und Strassenbau wird in die E. Weber AG integriert. Rund 50 Mitarbeitende im Baustoffbereich und rund 120 Mitarbeitende im Baugeschäft sollen weitergeführt werden.

Auch beim Schweizer Küchenhersteller Veriset wurde der Generationenwechsel sichtbar: Ueli Jost übergab das Verwaltungsratspräsidium an seinen Sohn Daniel Jost, der das Unternehmen bereits seit 2022 operativ führt. Damit zeigt sich auch im Ausbau- und Innenausbaubereich, wie wichtig früh geplante Nachfolgelösungen für Kontinuität, Marke und Arbeitsplätze werden.

Verbände stellen sich neu auf

Nicht nur Firmen, auch Branchenorganisationen haben im Juni wichtige Weichen gestellt. Der Schweizerische Maler- und Gipserunternehmer-Verband SMGV wählte Ivo Durrer aus Kriens zum neuen Zentralpräsidenten. Er übernimmt das Amt von Mario Freda, der den Zentralvorstand während zwölf Jahren geführt hatte. Durrer selbst ist eidg. dipl. Malermeister und übernahm 2016 die Durrer AG in vierter Generation – auch hier verbindet sich Verbandsarbeit direkt mit Unternehmertum und Nachfolge.

Auch beim Schweizerischen Baumeisterverband SBV wurde die nächste Führungsgeneration vorbereitet: Christian Wasserfallen wurde zum künftigen Zentralpräsidenten gewählt und übernimmt das Amt per 1. Januar 2027 von Gian-Luca Lardi, der nach zwölf Jahren an der Verbandsspitze zurücktritt.

Übernahmen sichern Kompetenzen und Marktpositionen

Der Juni zeigte auch: Konsolidierung findet nicht nur aus finanziellen Gründen statt, sondern zunehmend wegen Kompetenzen, Digitalisierung, regionaler Verankerung und Nachfolge. Implenia übernahm den deutschen Tragwerks- und Objektplaner Zigmo Engineering mit über 70 Mitarbeitenden an fünf Standorten. Begründet wurde die Akquisition unter anderem mit BIM-gestützter Planung, modellbasierten Prozessen und dem Ausbau margenstarker Bereiche entlang der Wertschöpfungskette.

Auch im Personalmarkt gab es Bewegung: Tempro Personal wurde per 1. Juni 2026 Teil von Flexsis. Beide Unternehmen sind stark in Bau, Handwerk, Industrie und Logistik verankert. Die Übernahme erfolgte im Rahmen einer geregelten Nachfolgelösung und zeigt, wie wichtig Fachkräfte, Temporärarbeit und regionale Rekrutierungsnetzwerke für die Branche bleiben.

Messen bleiben Treffpunkte für Innovation und Vertrauen

Mit der ÖGA 2026 fand vom 24. bis 26. Juni in Koppigen eine der wichtigsten Fachmessen für Gartenbau, Landschaftsbau, öffentliches Grün, Kommunalbereich und Bauwirtschaft statt. Über 400 Ausstellende präsentierten Innovationen und Trends; mehr als 50 technische und pflanzliche Neuheiten waren für die ÖGA-Innovations-Awards angemeldet.

Die ÖGA zeigte damit erneut, dass Messen im Bau- und Handwerksumfeld mehr sind als Produktshows. Sie sind Orte für Marktbeobachtung, Partnerschaften, Nachwuchsthemen, Maschinenvergleiche, neue Materialien und konkrete Praxislösungen. Gerade in der grünen Branche werden Themen wie Biodiversität, Arbeitssicherheit, Ergonomie, Pflanzengesundheit und nachhaltige Pflege immer wichtiger.

Am 26. Juni fand zudem der Tag der Bauwirtschaft im Campus Sursee statt. Unter dem Thema «Brennpunkt Bauherr» standen Zusammenarbeit, Verantwortung, Qualität, Nachhaltigkeit und effizientere Bauprozesse im Zentrum. Auch das zeigt: Die Branche diskutiert nicht mehr nur über einzelne Gewerke, sondern über bessere Zusammenarbeit im gesamten Bauprozess.

Marktumfeld: Wohnbau bleibt stark, Wirtschaftsbau selektiv

Konjunkturell blieb der Wohnbau ein wichtiger Treiber. Gemäss Bauindex des Schweizerischen Baumeisterverbands nahmen die Wohnbaugesuche in den ersten vier Monaten 2026 um 12 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu. Gleichzeitig seien die Arbeitsvorräte deutlich höher als vor einem Jahr, womit die Pipeline mindestens bis ins erste Quartal 2027 gut gefüllt sei. Beim Wirtschaftsbau zeigt sich dagegen ein differenzierteres Bild: Industrie-, Gewerbe- und Büroflächen entwickeln sich selektiver, während energetische Sanierungen durch höhere Energiekosten zusätzliche Impulse erhalten könnten.

Politisch war der Juni ebenfalls relevant: Am 14. Juni stimmte die Schweiz über die Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz!» und über die Änderung des Zivildienstgesetzes ab. Die Bevölkerungsinitiative wurde mit 54,8 Prozent Nein-Stimmen abgelehnt; die Verschärfung des Zivildienstgesetzes wurde mit 53 Prozent Ja-Stimmen angenommen. Für die Bauwirtschaft bleiben damit die Themen Wohnraum, Infrastruktur, Fachkräfte und Zuwanderung weiterhin eng miteinander verbunden.

Sicherheit und Verantwortung auf der Baustelle

Mit den sommerlichen Temperaturen rückten im Juni auch Hitze- und Sonnenschutz stärker in den Fokus. Die Suva weist darauf hin, dass UV-Schutz besonders von April bis September wichtig ist – in den Sommermonaten Juni und Juli besonders akut. Für Bau- und Handwerksbetriebe heisst das: Arbeitssicherheit ist nicht nur Helm, Schuhwerk und Gerüst, sondern zunehmend auch Arbeitsorganisation, Schatten, Kleidung, Pausen und Prävention.

Was bedeutet der Juni 2026 für die Branche?

Der Juni 2026 war kein Monat mit nur einer grossen Schlagzeile. Er war ein Monat, der mehrere Entwicklungen gleichzeitig sichtbar machte.

Erstens: Die Nachfolgefrage wird für viele Bau- und Handwerksbetriebe zum zentralen strategischen Thema. Wer seine Nachfolge frühzeitig regelt, schützt Mitarbeitende, Kundenbeziehungen, regionale Verankerung und Fachwissen.

Zweitens: Übernahmen werden gezielter. Es geht nicht nur um Grösse, sondern um Kompetenzen, Standorte, Personal, Digitalisierung, Materialzugang und Prozesssicherheit.

Drittens: Messen und Branchenanlässe bleiben wichtig. Gerade in einer digitaleren Welt brauchen Betriebe physische Orte für Vertrauen, Austausch, Maschinenvergleiche, Partnerschaften und Marktbeobachtung.

Viertens: Daten, Sichtbarkeit und Vergleichbarkeit werden entscheidender. Kunden, Partner, Suchmaschinen und KI-Systeme müssen verstehen können, welche Betriebe welche Leistungen, Referenzen, Regionen, Qualität und Verlässlichkeit bieten.

 

Quellenhinweis

Grundlage dieses Monatsrückblicks sind öffentlich zugängliche Unternehmensmitteilungen, Verbandsinformationen und Branchenberichte von Grob Kies, KIBAG, Veriset, SMGV, Schweizerischem Baumeisterverband, Implenia, Flexsis, ÖGA sowie Suva. Ergänzend wurden aktuelle Informationen aus dem Bauindex des Schweizerischen Baumeisterverbands berücksichtigt.

Fazit

Der Juni 2026 zeigt eine Branche im Umbau. Die Schweizer Bauwirtschaft und das Handwerk bleiben robust, aber die Spielregeln verändern sich. Nachfolge, Fachkräfte, Konsolidierung, Digitalisierung, Sicherheit, Nachhaltigkeit und Datenqualität rücken näher zusammen.

Für Betriebe bedeutet das: Wer sichtbar, vergleichbar und nachvollziehbar sein will, muss seine Daten, Referenzen, Leistungen und Qualitätsmerkmale besser strukturieren.

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