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Insolvenzwelle in der deutschen Bauwirtschaft – ein Warnsignal auch für die Schweiz?

In Deutschland nimmt die Zahl der Insolvenzen in der Bauwirtschaft spürbar zu. Was lange als vorübergehende Schwächephase galt, entwickelt sich zunehmend zu einer strukturellen Belastung für Bauunternehmen, Zulieferer und spezialisierte Gewerke.

Aktuelle Insolvenzstatistiken zeigen: Das Baugewerbe gehört inzwischen zu den am stärksten betroffenen Branchen. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen liegt deutlich über dem Niveau der Vorjahre und erreicht Werte, die zuletzt vor über einem Jahrzehnt beobachtet wurden.

 

Bauunternehmen besonders stark betroffen

Während Insolvenzen in vielen Branchen zunehmen, fällt die Entwicklung im Bau besonders ins Gewicht. Pro 10’000 Unternehmen verzeichnet das Baugewerbe überdurchschnittlich viele Insolvenzen. Betroffen sind dabei nicht nur kleine Betriebe, sondern auch mittelgrosse Bauunternehmen sowie spezialisierte Anbieter in Bereichen wie Fassadenbau, Gebäudetechnik und Bauzulieferung.

In den vergangenen Monaten meldeten mehrere bekannte Unternehmen aus dem Bauumfeld Insolvenz an oder stellten den Geschäftsbetrieb ein. Dazu zählen sowohl klassische Bauunternehmen als auch Zulieferer, deren wirtschaftliche Stabilität eng mit der Auftragslage am Bau verknüpft ist.

 

Ursachen: Kosten, Zinsen und Nachfrage

Die Gründe für die angespannte Lage sind vielfältig:

Die Baukosten bleiben hoch, insbesondere für Material und Energie.
Finanzierungen sind durch das gestiegene Zinsniveau deutlich teurer geworden.
Im Wohnungsbau fehlt es vielerorts an neuen Projekten.
Öffentliche und private Investoren verschieben oder strecken Bauvorhaben.

Hinzu kommt, dass viele Unternehmen während der Boomjahre hohe Kapazitäten aufgebaut haben. Mit dem Nachfragerückgang werden diese nun zur Belastung.

 

Vom Boom zur Korrektur

Die aktuelle Entwicklung ist auch eine Nachwirkung der Corona-Jahre. Staatliche Hilfen, niedrige Zinsen und eine hohe Nachfrage hielten viele Unternehmen künstlich stabil. Mit dem Auslaufen dieser Effekte treten strukturelle Schwächen nun offen zutage.

Besonders kritisch ist die Situation für Betriebe mit geringen Eigenkapitalquoten und langen Zahlungszielen. Insolvenzen entstehen häufig nicht aus mangelnder Auftragslage allein, sondern aus Liquiditätsengpässen.

 

Droht ein Überschwappen auf die Schweiz?

Ein direkter Vergleich zwischen Deutschland und der Schweiz greift zu kurz. Dennoch bestehen enge wirtschaftliche Verflechtungen, die eine Übertragung von Risiken begünstigen.

Deutschland ist einer der wichtigsten Handelspartner der Schweiz. Schwächelt dort die Bauwirtschaft, betrifft das auch Schweizer Zulieferer, Planer und spezialisierte Anbieter. Zudem wirkt die Entwicklung auf die Stimmung: Investoren und Bauherren werden vorsichtiger, Finanzierungen strenger geprüft.

Gleichzeitig zeigt sich die Ausgangslage in der Schweiz bislang stabiler. Konjunkturprognosen von SECO und der KOFgehen für 2026 von moderatem Wachstum aus, nicht von einer flächendeckenden Baukrise. Dennoch gilt: Immun ist die Schweiz nicht.

 

Bedeutung für Bau & Handwerk

Für Bau- und Handwerksbetriebe bedeutet diese Entwicklung vor allem eines: steigenden Wettbewerbsdruck.

Wenn Unternehmen aus dem Markt ausscheiden, verschärft sich der Kampf um Aufträge. Kunden vergleichen intensiver, achten stärker auf Preise, Bonität und Zuverlässigkeit. Gleichzeitig gewinnen transparente Informationen, Bewertungen und belastbare Referenzen an Bedeutung.

In einem Umfeld mit steigenden Insolvenzen wird Vertrauen zu einem zentralen Entscheidungsfaktor – für private Auftraggeber ebenso wie für institutionelle Kunden.

 

Einordnung

Die Insolvenzen in der deutschen Bauwirtschaft sind kein kurzfristiger Ausreisser, sondern Ausdruck einer strukturellen Anpassung. Hohe Kosten, ein verändertes Zinsumfeld und zurückhaltende Investitionen treffen auf eine Branche, die lange von Wachstum geprägt war.

Für die Schweiz ist dies weniger ein akutes Krisenszenario als ein Frühindikator. Wer die Entwicklung jenseits der Grenze ignoriert, unterschätzt die indirekten Auswirkungen.

 

Quellen-Summary

Insolvenzstatistiken zu Unternehmenspleiten in Deutschland mit überdurchschnittlicher Betroffenheit des Baugewerbes.
Berichte zu Insolvenzen und Betriebsschliessungen bei deutschen Bauunternehmen und Bauzulieferern.
Analysen zu Baukosten, Zinsentwicklung und Nachfragerückgang im deutschen Wohnungs- und Gewerbebau.
Konjunktur- und Bauprognosen für die Schweiz von SECO und KOF.

Fazit

Deutschland erlebt derzeit eine spürbare Insolvenzwelle in der Bauwirtschaft. Die Ursachen sind strukturell und dürften nicht kurzfristig verschwinden.

Ein direktes Überschwappen auf die Schweiz ist nicht zwingend, wohl aber eine zunehmende Vorsicht bei Investitionen, Finanzierungen und Auftragsvergaben. Für Bau- und Handwerksbetriebe wird es entscheidend sein, sich durch Stabilität, Transparenz und Vertrauenswürdigkeit vom Wettbewerb abzuheben.

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