Wenn selbst bekannte Plattformen und ConTech-Player unter Druck geraten: Was Buildigo, Angi/MyHammer und Autodesk über den Markt verraten
Bekannte Marke heisst noch lange nicht sicheres Geschäftsmodell
Der Markt für Plattformen in Home Services, PropTech und ConTech wirkt nach aussen oft grösser und stabiler, als er tatsächlich ist. Gerade jetzt zeigt sich, dass selbst bekannte Namen unter Druck geraten, ihr Modell umbauen oder ganz verschwinden. In der Schweiz ist das Beispiel Buildigo. Im DACH-Raum ist MyHammer die bekannte Marke, konzernseitig läuft der Fall aber unter Angi. Und im erweiterten Bau- und Planungssoftware-Markt zeigt Autodesk, dass selbst grosse ConTech-Player ihre Organisation neu ausrichten müssen.
Buildigo zeigt, dass auch in der Schweiz Plattformen scheitern können
Wer glaubt, solche Geschichten spielten nur in den USA, muss nur auf die Schweiz schauen. Die Mobiliar hält in ihrem Geschäftsbericht 2025 fest, dass sie ihr Beteiligungsportfolio konsequent auf die Strategie ausgerichtet hat und unter anderem Buildigo eingestellt wurde. Im Bericht wird die Gesellschaft ausdrücklich als „Buildigo AG in Liquidation“geführt. Gleichzeitig betont die Mobiliar die Fokussierung auf das Kerngeschäft mit Versicherung und Vorsorge sowie auf profitable Beteiligungen, die dieses Kerngeschäft unterstützen.
Das ist ein wichtiges Signal. Selbst mit starker Muttergesellschaft, Bekanntheit und strategischer Nähe zu einem grossen Versicherer ist ein Plattformmodell nicht automatisch gesetzt. Wenn strategische Passung und wirtschaftliche Perspektive nicht genügen, kann auch ein sichtbares Projekt in der Schweiz wieder verschwinden.
MyHammer ist die bekannte Marke – der eigentliche Fall heisst Angi
Im deutschsprachigen Raum kennen viele zuerst MyHammer. Der grössere Fall dahinter heisst aber Angi. Genau dort sieht man den eigentlichen Restrukturierungs- und Turnaround-Prozess. Im Q4-2025-Shareholder-Letter schreibt Angi sehr offen, dass Kostendisziplin ein zentraler Teil des Turnarounds war und zwischen Januar 2024 und Januar 2026 rund 100 Millionen US-Dollar an operativen Kosten und Capex entfernt wurden. Gleichzeitig verweist das Unternehmen darauf, das frühere Automatch- beziehungsweise Network-Modell stark zurückgebaut zu haben, um Qualität, Win Rates, Wiederkehr und Marketingeffizienz zu verbessern.
Anders gesagt: Bei Angi ging es nicht nur um weniger Wachstum, sondern um ein tieferes Problem im Kernmodell. Wenn Leads zwar Umsatz bringen, für Handwerker aber nicht gut genug konvertieren oder zu teuer akquiriert werden, leidet das Vertrauen der Anbieter in die Plattform. Genau deshalb klingt der Fall Angi heute weniger nach reinem Wachstum und mehr nach einer Mischung aus Qualitätsproblem, Effizienzproblem und strategischem Umbau. Dass MyHammer als Marke in DACH bekannter ist, ändert daran nichts.
Selbst Autodesk baut um – und das ist für ConTech relevant
Der Druck beschränkt sich nicht auf Vermittlungsplattformen. Auch im erweiterten ConTech- und AECO-Umfeld sieht man harte Anpassungen. Reuters berichtete am 22. Januar 2026, dass Autodesk rund 7 Prozent der weltweiten Belegschaft abbaut, also etwa 1’000 Stellen, um Ausgaben gezielt in die Cloud-Plattform und AI-Initiativenumzuschichten. Besonders betroffen seien kundennahe Vertriebsteams gewesen.
Das ist nicht dieselbe Art von Krise wie bei Buildigo oder Angi. Aber der Fall zeigt klar, dass auch grosse, etablierte Softwareanbieter im Bau- und Planungsumfeld unter Umbauzwang stehen. Selbst wer technologisch stark ist, muss heute Kapital, Teams und Prioritäten neu verteilen, wenn Cloud, AI und neue Produktlogiken plötzlich wichtiger werden als bisherige Strukturen.
Die Gründe ähneln sich stärker, als es zuerst scheint
Trotz aller Unterschiede sieht man in diesen Fällen ähnliche Muster. Erstens sind viele Modelle direkt oder indirekt von teurer Akquise abhängig. Wenn bezahlte Reichweite, Suchmaschinen oder Vertrieb nicht mehr effizient genug arbeiten, kippt das Modell schneller als viele glauben. Zweitens entscheiden die Unit Economics. Sichtbarkeit allein reicht nicht, wenn aus Leads, Projekten oder Produktnutzung kein belastbares, wiederkehrendes Geschäft entsteht. Genau das beschreibt Angi im eigenen Umbau sehr deutlich.
Drittens schlägt die Strategiefrage heute härter durch. Bei der Mobiliar war die Logik klar: Fokus auf das Kerngeschäft und auf Beteiligungen, die dieses wirklich unterstützen. Buildigo fiel dabei aus dem Raster. Viertens erzwingt AI im gesamten Markt eine neue Priorisierung. Autodesk verschiebt Ressourcen Richtung Cloud und AI, und auch Plattformen wie Angi müssen sich in einer Welt neu behaupten, in der Discovery, Vergleich und Entscheidungslogik zunehmend AI-getrieben werden.
Was das über den Markt wirklich verrät
Die gemeinsame Lehre aus diesen Fällen ist nicht, dass alle Plattformen oder alle ConTech-Modelle scheitern. Die Lehre ist eher: Bekanntheit schützt nicht vor Druck. Wer keine sauberen Unit Economics, keine klare strategische Rolle und keinen echten Mehrwert für Anbieter und Kunden hat, gerät schnell in Restrukturierung, Liquidation oder Umbau. Das gilt für Home-Services-Plattformen ebenso wie für grössere Tech- und Softwareplayer im Bauumfeld.
Gerade deshalb wird die Frage immer wichtiger, welche Modelle in einer AI-getriebenen Marktphase wirklich belastbar sind. Sichtbarkeit, Marke und Wachstum reichen weniger als früher. Wichtiger werden Datenqualität, Vertrauenssignale, maschinenlesbare Struktur, Produktivität und die Fähigkeit, sich schnell genug an neue technologische Logiken anzupassen. Diese Schlussfolgerung ist eine Einordnung auf Basis der aktuellen Umbauten bei Buildigo, Angi und Autodesk.
Quellen-Summary:
Mobiliar Geschäftsbericht 2025 zu Buildigo und zur Fokussierung auf das Kerngeschäft; Angi Q4-2025 Shareholder Letter zum Turnaround, Kostensenkungen und Umbau des Modells; Reuters vom 22. Januar 2026 zu Autodesk und dem Stellenabbau zugunsten von Cloud und AI.
Fazit
MyHammer ist im DACH-Raum die bekannte Marke – aber der eigentliche Fall heisst Angi. Buildigo zeigt, dass selbst in der Schweiz Plattformmodelle eingestellt werden können. Autodesk zeigt, dass auch etablierte ConTech-Player ihre Organisation neu auf AI und Cloud ausrichten müssen.
Zusammen ergibt das ein klares Bild: Der Druck in Home Services, PropTech und ConTech ist real, und die entscheidende Frage lautet nicht mehr nur, wer sichtbar ist, sondern wer wirtschaftlich robust, strategisch relevant und technologisch anpassungsfähig bleibt.
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