Wohnungsknappheit in der Schweiz: Warum der Druck auf Neubau, Umbau und Verdichtung hoch bleibt
Die Wohnungsknappheit in der Schweiz bleibt ein zentrales Thema. Der Bundesrat hält fest, dass Angebot und Nachfrage seit 2020 nicht mehr Schritt halten. Gleichzeitig dürfte die Wohnbevölkerung gemäss Referenzszenario des Bundesamts für Statistik bis 2040 die Marke von 10 Millionen Menschen überschreiten. Für die Schweizer Bauwirtschaft und das Handwerk ist das hochrelevant: Der Bedarf an Wohnraum bleibt gross, doch der Markt verlangt nicht einfach mehr Bauvolumen, sondern schnellere Verfahren, mehr Produktivität, Verdichtung und qualitativ starke Lösungen im Bestand und im Neubau.
Warum die Wohnungsknappheit in der Schweiz weiter ein grosses Thema bleibt
Im Bericht des Bundesrates zur Mietpreisentwicklung und zum Wohnungsmangel heisst es klar, dass seit 2020 die Entwicklung des Angebots mit jener der Nachfrage nach Wohnungen nicht mehr Schritt hält. Als Ursachen nennt der Bericht sowohl gesetzliche und planerische Rahmenbedingungen als auch wirtschaftliche Faktoren wie Zinsentwicklung, steigende Baupreise und die Attraktivität alternativer Anlagen. Beides habe die Bautätigkeit und die Investitionen in den Immobilienmarkt zwischen 2020 und 2024 insgesamt belastet.
Der Bundesrat hält zudem fest, dass die Wohnraumverknappung der letzten Jahre die Angebotsmieten steigen liess. Damit ist die Lage nicht nur ein Mengenthema, sondern auch ein Preis- und Zugänglichkeitsthema. Erste Zeichen einer Entspannung seien zwar sichtbar, doch bis zu einem Gleichgewicht im Wohnungsmarkt sei es noch ein weiter Weg.
Die Nachfrage nach Wohnraum wächst weiter
Laut dem im Bericht zitierten BFS-Referenzszenario wird die Wohnbevölkerung der Schweiz in den kommenden Jahren weiter wachsen und im Jahr 2040 die 10-Millionen-Marke überschreiten. Der Bericht betont, dass damit auch die zusätzliche Wohnungsnachfrage weiter anhalten wird. Gleichzeitig seien die in den letzten Jahren erteilten Baubewilligungen voraussichtlich nicht ausreichend, um diese zusätzliche Nachfrage vollständig zu decken.
Der Bericht weist zudem darauf hin, dass nicht nur die Bevölkerung wächst, sondern auch die Zahl der Haushalte besonders dynamisch zunimmt. Zwischen 2013 und 2023 lag das durchschnittliche jährliche Bevölkerungswachstum bei rund 1 Prozent, während die Zahl der Haushalte pro Jahr im Schnitt um 1,3 Prozent zunahm. Das ist für den Wohnungsmarkt entscheidend, weil dadurch der Flächen- und Wohnungsbedarf zusätzlich steigt.
Baugesuche und Baubewilligungen ziehen wieder an – aber das reicht noch nicht
Immerhin zeigt der Bericht auch einen leicht positiveren Trend. Seit 2023 sei bei den Baugesuchen und seit 2024 auch bei den Baubewilligungen eine Aufwärtstendenz festzustellen. Das ist ein wichtiges Signal für die Bauwirtschaft, weil es darauf hindeutet, dass der Markt nicht stillsteht. Trotzdem macht der Bundesrat klar, dass diese Entwicklung voraussichtlich noch nicht genügt, um die zusätzliche Nachfrage nachhaltig auszugleichen.
Für die Schweizer Bauwirtschaft heisst das: Es gibt keine Entwarnung. Der Markt bleibt unter Druck, auch wenn punktuell wieder mehr Projekte angestossen werden. Die eigentliche Herausforderung liegt nun darin, aus mehr Baugesuchen und Bewilligungen auch reale, rasch umsetzbare Wohnprojekte zu machen. Diese Schlussfolgerung ist eine sachliche Einordnung auf Basis des Berichts.
Was die Wohnungsknappheit für die Schweizer Bauwirtschaft bedeutet
Für die Schweizer Bauwirtschaft ist die aktuelle Lage ambivalent. Einerseits bleibt die strukturelle Nachfrage nach Wohnraum hoch. Andererseits wirken Verfahren, Bauvorschriften, Bodenknappheit, Kostenentwicklung und administrative Komplexität weiterhin bremsend. Der Bundesratsbericht verweist ausdrücklich auf die wachsende regelungsspezifische und administrative Komplexität sowie auf die Dauer der Verfahren als Faktoren, die den Rückgang der Bautätigkeit in den letzten Jahren mit beeinflusst haben.
Gerade deshalb wird der Fokus in der Schweiz noch stärker auf Verdichtung, Umnutzung, Aufstockung und effizientere Realisierung rücken. Es geht künftig weniger nur um klassische Neubauvolumen auf der grünen Wiese, sondern stärker um die intelligente Entwicklung bestehender Siedlungsräume. Diese Einordnung ist eine praxisnahe Folgerung aus den im Bericht beschriebenen Angebotsengpässen und Rahmenbedingungen.
Was das für das Handwerk bedeutet
Auch für das Schweizer Handwerk ist die Wohnungsknappheit ein wichtiges Signal. Wenn der Markt stärker in Richtung Verdichtung, Umbau, Umnutzung und Aufstockung geht, steigt die Bedeutung von Betrieben, die nicht nur standardisierte Neubauprozesse beherrschen, sondern auch in komplexen Bestands- und innerstädtischen Situationen sauber arbeiten können. Das betrifft unter anderem Ausbaugewerke, Gebäudetechnik, Holzbau, Fassaden, Fenster, Elektro, Sanitär, HLK, Gipser, Maler und Spezialisten für Sanierung und Koordination. Diese Schlussfolgerung ist eine Einordnung, ergibt sich aber logisch aus dem Druck auf Bestand und Innenentwicklung.
Zugleich steigt in einem angespannten Wohnungsmarkt der Anspruch an Tempo, Verlässlichkeit und Qualität. Wenn Projekte politisch, planerisch und wirtschaftlich ohnehin komplexer werden, gewinnen jene Betriebe an Bedeutung, die Prozesse sicher umsetzen, Schnittstellen beherrschen und gegenüber Bauherren, Investoren und Generalunternehmern als verlässliche Partner auftreten. Diese Einschätzung ist eine sachlogische Folgerung aus der beschriebenen Marktlage.
Warum Verdichtung und Bauen im Bestand noch wichtiger werden
Der Bericht des Bundesrates macht deutlich, dass eine langfristige Versorgung mit qualitätsvollen, preisgünstigen und bedarfsgerechten Wohnungen nur unter Berücksichtigung der haushälterischen Bodennutzung und einer nachhaltigen Entwicklung der Infrastrukturen möglich ist. Damit ist klar: Die Antwort auf die Wohnungsknappheit wird in der Schweiz nicht nur im Neubau liegen, sondern auch in der besseren Nutzung des Bestands und in einer gezielteren Innenentwicklung.
Für die Bauwirtschaft und das Handwerk ist genau das die strategische Botschaft. Wer künftig im Wohnungsmarkt erfolgreich sein will, muss sich nicht nur auf Neubau fokussieren, sondern auch auf Umbau, Sanierung, Ergänzungsbau, Nachverdichtung und effiziente Wohnraumschaffung im Bestand.
Quellen-Summary
Bericht des Bundesrates zur Mietpreisentwicklung und zum Wohnungsmangel in der Schweiz mit Aussagen zu Angebots- und Nachfrageentwicklung, Baugesuchen, Baubewilligungen, Mietpreisdruck und dem BFS-Referenzszenario bis 2040.
Fazit
Die Wohnungsknappheit in der Schweiz bleibt auch 2026 ein strukturelles Thema. Angebot und Nachfrage haben sich seit 2020 auseinanderentwickelt, die Mieten stehen unter Druck, und das Bevölkerungs- und Haushaltswachstum wird den Wohnraumbedarf weiter erhöhen.
Für die Schweizer Bauwirtschaft und das Handwerk ist das zugleich Herausforderung und Chance: Gefragt sind mehr Produktivität, bessere Verfahren, intelligente Verdichtung und eine starke Umsetzungsqualität – im Neubau ebenso wie im Bestand.
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- 18.04.2026
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- Bau, Handwerk & Immobilien
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