Iran-Krieg und Strasse von Hormus: Warum jetzt eine neue Kostenwelle auf Bau, Handwerk und Immobilien zukommen könnte
Es geht nicht nur um Öl und Gas – sondern um fast die ganze Stoffwelt des Bauens
Wer bei der Strasse von Hormus nur an Benzin, Diesel oder Erdgas denkt, unterschätzt die Lage. Diese Meerenge ist nicht einfach eine Route für Energie, sondern eine zentrale Schlagader für Rohstoffe, Vorprodukte und Industriegüter. Laut der US-Energiebehörde EIA liefen 2024 mehr als ein Viertel des weltweiten seeseitigen Ölhandels und rund ein Fünftel des globalen LNG-Handels durch Hormus. Reuters berichtet inzwischen, dass der Krieg mit Iran die Passage faktisch massiv stört und Europa bereits Gegenmassnahmen gegen einen neuen Energieschock vorbereitet.
Warum die Schweizer Bauwirtschaft das schon bald spüren könnte
Die Schweizer Bauwirtschaft hängt an globalen Preis- und Lieferketten, auch wenn sie geografisch weit weg vom Golf liegt. Steigen Energiepreise, steigen meist auch Transportkosten, Produktionskosten und Risikoaufschläge. Besonders heikel ist, dass viele Baustoffe und Komponenten direkt oder indirekt auf energieintensiven Prozessen, petrochemischen Vorprodukten oder internationalen Schifffahrtswegen basieren. Das betrifft nicht nur den Hochbau, sondern fast jedes Gewerk — vom Tiefbau über Gebäudetechnik bis zum Liegenschaftsunterhalt. Reuters berichtet bereits von stark gestiegenen Öl- und Gaspreisen seit Eskalation des Konflikts.
Aluminium: Der unterschätzte Schock für Bau, Metallbau und Solar
Besonders brisant ist Aluminium. Genau hier haben viele die Lage noch nicht auf dem Radar. Reuters schreibt, dass der Golfraum rund 9% der weltweiten Aluminiumproduktion stellt und wichtige Produzenten durch die Hormus-Krise unter Druck geraten sind. Bahrains Aluminiumkonzern Alba stoppte zunächst Lieferungen und rief höhere Gewalt aus; später fuhr das Unternehmen laut Reuters rund 19% seiner Kapazität kontrolliert herunter. Auch Emirates Global Aluminium musste Exporte und Rohstoffimporte über Oman umleiten. Gleichzeitig erreichte Aluminium an der London Metal Exchange ein Vierjahreshoch.
Das ist für die Bauwirtschaft hochrelevant. Aluminium steckt in Fenstern, Fassaden, Metallbau, Türen, Toren, Beschlägen, Haustechnik, Leitungen, Maschinen, Gerüsten und Solarsystemen. Wenn dieses Material teurer oder knapper wird, steigen nicht nur Einkaufspreise, sondern auch Offertunsicherheit, Lieferzeiten und Margendruck.
Dünger, Chemie und Helium: Die zweite Inflationswelle läuft über Umwege
Noch gefährlicher als der direkte Energieschock ist oft die zweite Welle. Reuters berichtet, dass rund 30% des weltweit gehandelten Düngers über Hormus laufen und Urea-Preise bereits deutlich gestiegen sind. Das trifft zunächst Landwirtschaft und Lebensmittelmärkte, kann aber breiter inflationär wirken. Zugleich meldet Reuters massive Spannungen beim Heliummarkt, nachdem Qatar als einer der grossen Lieferanten betroffen ist; Spotpreise haben sich demnach bereits verdoppelt. Helium betrifft die Baustelle nicht direkt wie Diesel, aber sehr wohl industrielle Lieferketten für Elektronik, Sensorik, Medizintechnik, Halbleiter und spezialisierte Gebäudetechnik.
Fast jede Baustelle könnte betroffen sein
Die eigentliche Gefahr liegt in der Breite des Schocks. Wenn Öl, Gas, Aluminium, Düngemittel, Spezialgase, Chemie und Transporte gleichzeitig unter Druck geraten, wird daraus kein isoliertes Rohstoffproblem, sondern eine systemische Kostenwelle. Dann geraten Offerten schneller aus dem Takt, Preisgarantien werden schwieriger, Lagerhaltung wird wichtiger und Investitionsentscheide werden vorsichtiger. Genau das könnte in den nächsten Wochen und Monaten auf Bau, Handwerk und Immobilien zukommen.
Und was ist mit den Hypotheken?
In Europa steigt die Nervosität bereits wieder. Reuters berichtet, dass die EZB wegen höherer Energiekosten ihre Inflationsprognose angehoben hat und mehrere Zentralbanken wegen des Krieges ihre Zinsperspektiven offener halten. Für die Schweiz spricht aktuell laut Reuters zwar wenig für eine unmittelbare SNB-Zinserhöhung; die Mehrheit der befragten Ökonomen erwartet für 2026 weiterhin einen Leitzins von 0%. Aber auch ohne SNB-Schritt können sich Festhypotheken verteuern, wenn Kapitalmarktzinsen, Inflationserwartungen und Risikoaufschläge steigen. Für Immobilienbesitzer ist das entscheidend: Nicht nur der Leitzins zählt, sondern der Preis des Geldes am Markt.
Solar steht zwischen Rückenwind und neuer Krise
Für die Solarbranche ist die Lage doppeldeutig. Einerseits macht jeder Energieschock lokale Stromproduktion attraktiver. Andererseits leidet der Markt schon heute unter wachsender Konkurrenz, Preisdruck und Konsolidierung. Kommen nun zusätzlich teurere Metalle, teurere Finanzierung und mehr Investitionsunsicherheit dazu, könnte sich der Druck auf viele Anbieter weiter verschärfen. Aus einem Boom-Markt könnte so noch schneller ein Verdrängungsmarkt werden.
Warum Hormus für die Immobilienbranche genauso wichtig ist
Auch die Immobilienwirtschaft sollte dieses Thema nicht als reines Energieproblem abtun. Wenn Baukosten, Unterhaltskosten, Finanzierungskosten und Lieferkettenrisiken gleichzeitig steigen, trifft das Projektentwickler, Eigentümer, Bewirtschafter und Investoren gleich mehrfach. Nicht nur Neubauten, auch Sanierungen, Heizungsersatz, Fassaden, Fenster, Gebäudetechnik und ESG-Massnahmen werden dann schwerer kalkulierbar. Unsicherheit wird damit fast zu einem eigenen Kostenfaktor.
Quellen-Summary:
Grundlage sind aktuelle Berichte von Reuters zur Eskalation im Nahen Osten, zu Energie-, Aluminium-, Dünger- und Heliummärkten sowie zu den Folgen für Inflation und Zinsen in Europa und der Schweiz. Ergänzend stützt sich die Einordnung zur Bedeutung der Strasse von Hormus auf Daten der US Energy Information Administration (EIA). Für die Schweiz zentral: Die SNB hat den Leitzins am 19. März 2026 bei 0% belassen, zugleich aber auf höhere Energiepreise und geopolitische Risiken verwiesen.
Fazit
Ja, es könnte eine echte neue Belastungswelle auf die Schweizer Bauwirtschaft und den Immobilienmarkt zukommen. Nicht nur wegen Öl und Gas, sondern wegen der ganzen Kaskade dahinter: Aluminium aus Bahrain und dem Golf, Dünger, Chemie, Spezialgase, Transport, Inflation, Finanzierung und Investitionsunsicherheit.
Genau deshalb ist die Strasse von Hormus für Bau, Handwerk und Immobilien viel wichtiger, als viele derzeit denken. Der Schock wäre nicht punktuell, sondern breit. Und genau das macht ihn so gefährlich.
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- 20.03.2026
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- Bau, Handwerk & Immobilien
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