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KI und Arbeitsmarkt: IWF warnt vor Umbruch – 850’000 Schweizer Stellen stark betroffen
IWF: Die erste Welle der KI-Auswirkungen ist bereits spürbar
Künstliche Intelligenz verändert die Weltwirtschaft und den Arbeitsmarkt. Am 12. Oktober 2026 warnte Kristalina Georgieva, geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), vor weitreichenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen.
Nach Einschätzung des IWF könnten weltweit rund 40 % der Arbeitsplätze durch KI verändert, aufgewertet, abgewertet oder teilweise ersetzt werden. In fortgeschrittenen Volkswirtschaften liegt der Anteil potenziell betroffener Beschäftigung sogar bei bis zu 60 %.
Gleichzeitig treiben massive Investitionen in KI-Infrastruktur das Wirtschaftswachstum an. Besonders die USA, China und Indien spielen dabei eine zentrale Rolle. Laut Georgieva tragen diese Investitionen wesentlich dazu bei, dass das globale Wirtschaftswachstum bei rund 3 % liegt.
KI wirkt damit in zwei Richtungen: Sie schafft neue Nachfrage, Investitionen und Produktivitätspotenziale, während sie bestehende Tätigkeiten und Berufsbilder verändert.
Besonders junge Berufseinsteiger unter Druck
Eine zentrale Sorge des IWF betrifft junge Menschen beim Einstieg in den Arbeitsmarkt.
Viele traditionelle Einstiegspositionen bestehen aus standardisierten, wiederkehrenden Aufgaben. Gerade solche Tätigkeiten lassen sich zunehmend mit KI-Systemen automatisieren oder beschleunigen.
Dadurch könnten Unternehmen künftig weniger klassische Einstiegsstellen benötigen. Gleichzeitig entstehen neue Anforderungen an digitale Kompetenzen, analytisches Denken und den Umgang mit KI.
Georgieva verwies zudem auf mögliche langfristige Auswirkungen auf die öffentlichen Finanzen. Wenn sich wirtschaftliche Wertschöpfung zunehmend von menschlicher Arbeit zu Technologie und Kapital verlagert, könnte dies auch bestehende Modelle der Besteuerung und Finanzierung staatlicher Leistungen verändern.
Schweiz: Über 850’000 Arbeitsplätze mit hoher KI-Exposition
Auch für den Schweizer Arbeitsmarkt liegen konkrete Untersuchungen vor.
Eine im Juni 2026 veröffentlichte Analyse der Denkfabrik einstAIn, getragen von Angestellte Schweiz und Kuble – House of Intelligence, untersuchte 86 Berufsgruppen mit insgesamt rund drei Millionen Arbeitsplätzen.
Die wichtigsten Ergebnisse:
850’000 Arbeitsplätze weisen eine hohe KI-Exposition auf.
28 % der untersuchten Stellen könnten durch KI in ihren Aufgaben stark verändert werden.
Über CHF 80 Milliarden Lohnsumme entfallen auf die betroffenen Berufsfelder.
Besonders betroffen sind Administration, Verwaltung, Finanzen und Recht.
Die Untersuchung zeigt jedoch ausdrücklich nicht, dass 850’000 Stellen wegfallen werden. Gemessen wird, wie stark berufliche Aufgaben durch KI-Systeme verändert oder unterstützt werden können.
Eine zusätzliche IWF-Analyse zum Schweizer Arbeitsmarkt vom September 2026 kommt mit einer anderen Methodik zum Ergebnis, dass rund 68 % der Beschäftigten in Berufen mit erheblicher KI-Exposition arbeiten. Bei etwa einem Viertel der Beschäftigten sieht der IWF eine Kombination aus hoher KI-Exposition und begrenzten Möglichkeiten, KI lediglich als unterstützendes Werkzeug einzusetzen. Daraus ergeben sich erhöhte Verdrängungsrisiken, jedoch keine konkrete Prognose zum Stellenabbau.
Die beiden Untersuchungen verwenden unterschiedliche Definitionen und Messverfahren. Ihre Prozentwerte sind deshalb nicht unmittelbar vergleichbar.
Bau und Handwerk: Körperliche Arbeit bleibt weniger betroffen
Besonders interessant ist die Schweizer einstAIn-Analyse für die Bau- und Handwerksbranche.
Während zahlreiche Büroberufe eine hohe KI-Exposition aufweisen, sind klassische handwerkliche Tätigkeiten gemäss dieser Untersuchung vergleichsweise wenig direkt betroffen.
Der Grund liegt in der Art der Arbeit: Montage, Reparaturen, Bauausführung, Gartenbau oder technische Arbeiten vor Ort erfordern körperliche Präsenz, handwerkliche Fertigkeiten und Entscheidungen in wechselnden Umgebungen.
Allerdings bedeutet dies nicht, dass Bau- und Handwerksbetriebe von der KI-Transformation ausgenommen sind.
Vor allem administrative und digitale Prozesse bieten Automatisierungspotenzial:
Offertenerstellung und Kundenkommunikation
Terminplanung und administrative Abläufe
Dokumentation und Informationsmanagement
Marketing, Online-Sichtbarkeit und Unternehmensrecherche
Unterstützung bei Kalkulation, Planung und Auswertung
Damit könnte KI weniger die handwerkliche Ausführung selbst verändern als vielmehr die Organisation, Verwaltung und digitale Wertschöpfung rund um diese Leistungen.
Auch die Art, wie Kunden Unternehmen recherchieren und vergleichen, dürfte sich durch KI-Systeme weiterentwickeln. Strukturierte, nachvollziehbare und möglichst geprüfte Unternehmensdaten könnten dabei an Bedeutung gewinnen.
Quellen
FXStreet – IMF’s Georgieva says already seeing first wave of impact from AI, 12. Oktober 2026.
Reuters – IMF says AI investment keeps global growth around 3%, 12. Oktober 2026.
einstAIn – Nahezu jeder dritte Schweizer Job wegen KI unter Druck, Juni 2026.
IWF – Switzerland: Selected Issues, The Impact of Artificial Intelligence on Switzerland’s Labor Market, 1. September 2026.
Fazit: KI verändert Aufgaben – nicht automatisch ganze Berufe
Die aktuellen Einschätzungen des IWF und die Schweizer Untersuchungen zeigen, dass künstliche Intelligenz erhebliche Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt auslösen könnte.
Besonders exponiert sind standardisierte, wissensbasierte und administrative Tätigkeiten. Körperliche und ortsgebundene Arbeiten im Bau- und Handwerksbereich bleiben gegenüber sprachbasierten KI-Systemen vorerst vergleichsweise wenig direkt betroffen.
Für Schweizer Unternehmen ergeben sich daraus sowohl Risiken als auch Chancen: Produktivitätsgewinne, neue Geschäftsmodelle und effizientere Prozesse stehen möglichen Veränderungen beim Personalbedarf und bei den erforderlichen Qualifikationen gegenüber.
Entscheidend dürfte nicht allein sein, welche Tätigkeiten KI übernehmen kann, sondern wie Unternehmen die Technologie einsetzen und Mitarbeitende auf veränderte Anforderungen vorbereiten.
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- 12.10.2026
- 2305
- KI, Robotik & Zukunft Bau
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