Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von KI erstellt und von handwerker.ch redaktionell geprüft und bearbeitet. KI-gestützte Texte, Bilder und andere Inhalte können trotz Prüfung Fehler enthalten oder Informationen unvollständig bzw. missverständlich darstellen. Dieser Beitrag ist datenbasiert und dient ausschliesslich der Information und Einordnung. Er stellt keine Empfehlung zur Beauftragung oder Auswahl einzelner Anbieter, Betriebe oder Unternehmen dar.

Wenn KI-Agenten Bauaufträge vergeben: Wer bekommt künftig noch eine Offerte?

Die nächste Auftragsvergabe beginnt möglicherweise ohne Sie

Stellen Sie sich vor, ein Immobilienunternehmen plant die energetische Sanierung einer Wohnüberbauung.

Gesucht werden Betriebe für Gebäudetechnik, Heizungsersatz, Fassadensanierung und weitere spezialisierte Bauleistungen.

Bisher hätte ein Projektleiter verschiedene Unternehmen recherchiert, bestehende Geschäftspartner kontaktiert und geeignete Anbieter zur Offertstellung eingeladen.

Künftig könnte dieser Prozess anders beginnen.

Ein KI-Agent erhält beispielsweise folgenden Auftrag:

«Identifiziere geeignete Schweizer Unternehmen für die energetische Sanierung mehrerer bewohnter Mehrfamilienhäuser. Berücksichtige nachweisbare Erfahrungen mit vergleichbaren Umbauten, fachliche Qualifikationen, organisatorische Fähigkeiten, Referenzprojekte und dokumentierte Qualitätssignale.»

Der Agent recherchiert, vergleicht Informationen und bereitet eine Liste potenziell geeigneter Unternehmen vor.

Was aber geschieht, wenn Ihr Betrieb fachlich hervorragend geeignet wäre, seine tatsächlichen Kompetenzen digital jedoch kaum dokumentiert sind?

Möglicherweise erscheint Ihr Unternehmen gar nicht erst auf dieser Liste.

Und damit könnte eine entscheidende Veränderung beginnen: Der Wettbewerb um Bauaufträge würde teilweise schon stattfinden, bevor die erste Offerte angefordert wird.

Dieses Szenario ist keine Prognose. Es beschreibt jedoch eine mögliche Entwicklung, die mit der zunehmenden Automatisierung von Beschaffungsprozessen an Bedeutung gewinnen könnte.

1. KI-Agenten verändern bereits heute die Beschaffung

Künstliche Intelligenz wird zunehmend für Aufgaben eingesetzt, die bisher von Menschen ausgeführt wurden.

Dazu gehören das Recherchieren von Lieferanten, die Analyse von Dokumenten, die Auswertung von Angeboten und die Vorbereitung von Entscheidungen.

Mit sogenannten KI-Agenten könnten solche Aufgaben künftig stärker miteinander verbunden und teilweise automatisiert ausgeführt werden.

Eine am 28. Oktober 2026 veröffentlichte Untersuchung von McKinsey zeigt, wie intensiv sich Einkaufsorganisationen bereits mit dieser Entwicklung beschäftigen.

In einer Befragung von 200 Einkaufsverantwortlichen gaben 80 % an, ihre Investitionen in Beschaffungstechnologie und KI in den kommenden 12 bis 18 Monaten erhöhen zu wollen.

Gleichzeitig zeigt die Untersuchung, dass die tatsächliche Umsetzung noch am Anfang steht.

Erst 2 % der Befragten hatten KI bereits umfassend in ihre Beschaffungsprozesse integriert. Weitere 55 % befanden sich noch in der Pilotphase.

Die Untersuchung bezieht sich auf branchenübergreifende Beschaffungsprozesse und ist keine spezifische Erhebung zur Schweizer Bauwirtschaft.

Sie zeigt jedoch, dass die Automatisierung der Lieferantensuche und Beschaffung zunehmend zu einem strategischen Thema wird.

Die eigentliche Veränderung liegt möglicherweise nicht darin, dass KI bestehende Einkaufsprozesse schneller erledigt, sondern darin, dass sie die Auswahl und Bewertung von Anbietern grundlegend verändert.

2. Vom persönlichen Netzwerk zur automatisierten Unternehmenssuche

In der Bauwirtschaft spielen persönliche Beziehungen traditionell eine wichtige Rolle.

Bauherren, Architekten und Generalunternehmer arbeiten häufig mit Betrieben zusammen, die sie bereits kennen.

Langjährige Erfahrungen und bewährte Geschäftsbeziehungen können dabei erhebliche Vorteile bieten.

Doch solche Netzwerke haben auch Grenzen.

Ein besonders geeigneter Spezialbetrieb wird möglicherweise nicht berücksichtigt, weil er dem Auftraggeber unbekannt ist.

Ein anderer Betrieb erhält eine Anfrage, weil bereits eine persönliche Beziehung besteht, obwohl seine Fähigkeiten für das konkrete Projekt nicht vollständig geklärt sind.

KI-gestützte Recherche könnte solche Informationslücken teilweise verkleinern.

Ein KI-Agent könnte beispielsweise gezielt nach Unternehmen suchen, die dokumentierte Erfahrungen mit bestimmten Bautechnologien, Materialien oder Projektarten besitzen.

Dabei könnte er öffentlich zugängliche Unternehmensinformationen, Referenzen, Qualifikationen und technische Produktinformationen zusammenführen.

Die möglichen Vorteile sind offensichtlich: Auch weniger bekannte Spezialisten könnten bei sehr spezifischen Anforderungen gefunden werden.

Allerdings entsteht gleichzeitig ein neues Risiko.

Ein Unternehmen, dessen Kompetenzen digital nicht nachvollziehbar sind, könnte trotz guter handwerklicher Leistungen bei der Vorauswahl übersehen werden.

Die tatsächliche Qualität eines Betriebs und seine digitale Sichtbarkeit sind nicht dasselbe.

3. Warum die billigste Offerte nicht automatisch die beste ist

Die Vorstellung, dass künftig nicht mehr allein der Preis entscheidet, ist keineswegs neu.

Das Schweizer Beschaffungsrecht berücksichtigt bereits heute zahlreiche qualitative Kriterien.

Artikel 29 des Bundesgesetzes über das öffentliche Beschaffungswesen (BöB) nennt neben Preis und Qualität beispielsweise Fachkompetenz, technische Eigenschaften, Lebenszykluskosten, Termine, Nachhaltigkeit, Funktionalität und Servicebereitschaft.

Bei öffentlichen Vergaben soll grundsätzlich das vorteilhafteste Angebot den Zuschlag erhalten.

Die Berücksichtigung fachlicher Eignung und qualitativer Merkmale ist somit bereits Bestandteil bestehender Vergabeprozesse.

Die mögliche Neuerung durch KI liegt vielmehr in der systematischeren und schnelleren Auswertung verfügbarer Informationen.

Ein KI-Agent könnte beispielsweise helfen, mehrere Angebote auf Unterschiede bei Leistungen, Materialien, technischen Anforderungen und langfristigen Kosten zu untersuchen.

Zusätzlich könnte er öffentlich dokumentierte Erfahrungen und Qualifikationen der beteiligten Unternehmen recherchieren.

Damit wären Vergleiche möglich, die bisher häufig einen erheblichen manuellen Aufwand verursachen.

Doch auch künftig gilt:

Ein günstiger Preis ist nicht automatisch ein schlechter Preis. Und ein teurer Anbieter ist nicht automatisch besser qualifiziert.

Entscheidend bleibt, ob ein Unternehmen die konkrete Aufgabe fachgerecht, zuverlässig und wirtschaftlich erfüllen kann.

4. Das Gedankenspiel: Drei Betriebe, ein komplexer Umbau

Nehmen wir ein fiktives Sanierungsprojekt.

Ein Auftraggeber sucht einen Fachbetrieb für den Ersatz einer bestehenden Heizungsanlage in einem bewohnten Mehrfamilienhaus.

Drei Unternehmen kommen grundsätzlich infrage.

Betrieb A – der günstigste Anbieter

Das Unternehmen bietet attraktive Preise und verfügt über gute Kundenbewertungen.

Seine öffentlich verfügbaren Referenzen betreffen jedoch überwiegend kleinere Service- und Reparaturarbeiten.

Ob es über ausreichende Erfahrung mit komplexen Heizungsumbauten in bewohnten Mehrfamilienhäusern verfügt, ist zunächst unklar.

Betrieb B – der spezialisierte Projektpartner

Das Unternehmen dokumentiert mehrere vergleichbare Sanierungen, relevante Fachkompetenzen und Erfahrungen mit der Koordination verschiedener Gewerke.

Sein Angebot liegt über dem von Betrieb A.

Betrieb C – der langjährige Marktteilnehmer

Das Unternehmen besitzt eine umfangreiche Firmengeschichte und ist regional bekannt.

Allerdings sind nur wenige konkrete Projektreferenzen öffentlich verfügbar.

Die Fähigkeiten der drei Unternehmen können nicht allein anhand dieser Informationen abschliessend beurteilt werden.

Ein KI-Agent könnte aber bereits vor der Offertstellung erkennen, dass bei den Betrieben unterschiedliche Informationen vorliegen.

Er könnte dokumentierte Erfahrungen vergleichen, offene Fragen identifizieren und fehlende Nachweise zur weiteren Prüfung markieren.

Für den Auftraggeber wäre dies eine mögliche Unterstützung.

Für die Unternehmen könnte es dagegen bedeuten, dass ihre digitale Dokumentation wesentlich stärker in den Auswahlprozess einfliesst.

Nicht zwingend der bekannteste oder günstigste Betrieb gelangt zuerst auf die Shortlist, sondern möglicherweise derjenige, dessen Eignung anhand verfügbarer Daten am besten nachvollziehbar erscheint.

Dabei müsste ein seriöses System fehlende Informationen als ungeklärt kennzeichnen – und dürfte sie nicht automatisch als mangelnde Kompetenz interpretieren.

5. Skills, Projektfähigkeit und Auftragsfähigkeit werden wichtiger

Eine allgemeine Branchenbezeichnung reicht bei komplexen Projektanforderungen oft nicht aus.

Zwei Unternehmen können beispielsweise als Gartenbau- oder Gebäudetechnikbetrieb registriert sein und trotzdem völlig unterschiedliche Schwerpunkte haben.

Ein Betrieb ist möglicherweise auf regelmässigen Unterhalt spezialisiert.

Ein anderer verfügt über umfangreiche Erfahrungen bei Umbauten und Sanierungen.

Ein dritter besitzt die organisatorischen Voraussetzungen für anspruchsvolle Neubauprojekte.

Solche Unterschiede können für die Auswahl entscheidend sein.

Bei einer zunehmend datenbasierten Unternehmensrecherche könnten deshalb insbesondere drei Informationsbereiche relevant werden.

Fachliche Kompetenzen und Skills

Welche konkreten Leistungen bietet ein Betrieb an? Welche Ausbildungen, Bewilligungen und Spezialisierungen sind dokumentiert?

Projektfähigkeit

Welche Erfahrungen besitzt das Unternehmen mit Neubauten, Umbauten und Sanierungen? Welche Projektgrössen und Komplexitätsstufen hat es bereits bearbeitet?

Auftragsfähigkeit

Welche Leistungen kann der Betrieb im Unterhalt, Service oder bei wiederkehrenden Aufträgen übernehmen? Welche organisatorischen und personellen Voraussetzungen sind dafür vorhanden?

Diese Informationen können helfen, Unternehmen mit ähnlichen Branchenbezeichnungen differenzierter einzuordnen.

Allerdings sind öffentlich verfügbare Angaben nicht zwangsläufig vollständig.

Auch die aktuelle Kapazität eines Betriebs oder seine Verfügbarkeit für einen bestimmten Zeitraum muss häufig direkt abgeklärt werden.

6. Vernetzte Referenzen: Aus Projekten werden nachvollziehbare Unternehmensbeziehungen

Für die zukünftige Unternehmensrecherche könnten Referenzprojekte eine besondere Rolle spielen.

Eine klassische Referenz zeigt häufig ein Projektbild und beschreibt die Arbeit eines einzelnen Unternehmens.

Doch gerade bei komplexeren Bauprojekten sind verschiedene Fachbetriebe, Planer, Hersteller und Lieferanten beteiligt.

Wenn diese Beziehungen dokumentiert und sinnvoll miteinander verknüpft werden, entstehen zusätzliche Informationen.

Ein Projekt kann beispielsweise zeigen, welcher Betrieb die Planung übernommen hat, wer technische Komponenten lieferte und welche Fachunternehmen bestimmte Installations- oder Bauarbeiten ausführten.

Dabei ist entscheidend, die jeweiligen Leistungen korrekt zuzuordnen.

Wer an einem Bauprojekt beteiligt war, hat nicht automatisch sämtliche dort ausgeführten Arbeiten erbracht.

Mit den am 29. Oktober 2026 lancierten intelligenten und vernetzten Projekt-Referenzen erweitert handwerker.ch die Möglichkeiten, solche Zusammenhänge abzubilden.

Ausgewählte Unternehmen und Produkte können direkt mit einem Referenzprojekt verbunden werden.

Dadurch entstehen Beziehungen zwischen Projekten, Leistungen, Firmenprofilen und Produkten.

Diese zusätzlichen Informationen können für menschliche Recherchen und potenziell auch für KI-gestützte Vergleiche hilfreich sein.

Eine tatsächliche Nutzung durch bestimmte KI-Agenten lässt sich dadurch jedoch nicht garantieren.

Projekt-Referenzen auf handwerker.ch entdecken

7. Wird die Bauwirtschaft damit transparenter?

Eine stärkere datenbasierte Unternehmensauswahl könnte traditionelle Informationsasymmetrien verändern.

Bisher war es für Auftraggeber teilweise schwierig, die tatsächlichen Unterschiede zwischen mehreren Unternehmen zu erkennen.

Allgemeine Werbeaussagen, schöne Projektbilder und einzelne Bewertungen bieten nur einen begrenzten Einblick in konkrete fachliche Fähigkeiten.

Dokumentierte Leistungen, Qualifikationen und nachvollziehbare Projektreferenzen können hier zusätzliche Orientierung schaffen.

Allerdings bedeutet eine transparentere Bauwirtschaft nicht, dass Unternehmen ihre Geschäftsgeheimnisse offenlegen müssen.

Einkaufskonditionen, vertrauliche Lieferantenbeziehungen, interne Kalkulationen und andere geschützte Informationen bleiben legitime Geschäftsinteressen.

Die wesentliche Unterscheidung lautet:

Transparenz über tatsächlich erbrachte Leistungen ist nicht gleichbedeutend mit Transparenz über sämtliche Geschäftsbeziehungen und Preise.

Ein Handwerksbetrieb kann seine eigenen Fähigkeiten anhand konkreter Projekte dokumentieren, ohne sämtliche Lieferanten oder Subunternehmer offenzulegen.

Gleichzeitig muss eine korrekte Projektzuordnung sicherstellen, dass Leistungen nicht irreführend dargestellt werden.

8. Was bedeutet das für unabhängige Unternehmensdatenplattformen?

KI-Agenten benötigen geeignete Informationsquellen, um Unternehmen recherchieren und vergleichen zu können.

Dazu können Firmenwebsites, öffentliche Register, Branchenorganisationen, Unternehmensdatenbanken und spezialisierte Vergleichsplattformen gehören.

Mit dem Schweizer Baubranchen Index (SBI) stellt handwerker.ch strukturierte Unternehmensinformationen, Ratings, Qualifikationen, Zertifizierungen und Referenzen für Schweizer Bau- und Handwerksbetriebe bereit.

Die neuen vernetzten Referenzen ergänzen diese Informationen um Beziehungen zwischen Projekten, beteiligten Unternehmen, Leistungen und Produkten.

So kann eine zusätzliche Grundlage für die datenbasierte Einordnung entstehen.

Dabei sind drei Punkte wesentlich.

Erstens muss die Herkunft der Daten nachvollziehbar sein.

Zweitens müssen Eigenangaben, dokumentierte Nachweise und unabhängige Prüfungen unterscheidbar bleiben.

Drittens darf ein Unternehmensrating nicht mit einer gekauften Empfehlung verwechselt werden.

Das SBI-Rating ist nicht käuflich. Der Erwerb einer Zertifizierung oder die Verknüpfung eines Referenzprojekts garantiert keine bestimmte Bewertung.

Ein Rating bestätigt ausserdem nicht automatisch die Eignung für einen konkreten Auftrag.

Ob KI-Systeme externe Unternehmensdatenplattformen für einzelne Recherchen berücksichtigen, hängt von ihren technischen Verfahren und der Zugänglichkeit der Informationen ab.

Für zukünftige automatisierte Beschaffungsprozesse könnte die Verfügbarkeit verlässlicher und miteinander verknüpfter Unternehmensdaten dennoch eine wichtige Rolle spielen.

9. Was passiert mit Betrieben, die digital kaum dokumentiert sind?

Hier liegt möglicherweise eine der grössten Herausforderungen für die Schweizer KMU-Landschaft.

Viele kleinere Handwerksbetriebe verfügen über hervorragende Fachkräfte und langjährige praktische Erfahrungen.

Sie investieren jedoch wenig Zeit in die öffentliche Dokumentation ihrer Leistungen, Qualifikationen und Referenzen.

Andere Unternehmen verfügen über professionelle Websites, umfangreiche Projektdokumentationen und zahlreiche digitale Unternehmensprofile.

Bei einer KI-gestützten Recherche könnte dadurch eine Informationsasymmetrie entstehen.

Ein gut dokumentierter Betrieb wäre möglicherweise einfacher einzuordnen als ein fachlich ebenso geeigneter, aber digital wenig sichtbarer Mitbewerber.

Das wäre nicht zwangsläufig ein Qualitätsunterschied, sondern zunächst ein Unterschied in der verfügbaren Datenbasis.

Die Herausforderung für KI-gestützte Auswahlverfahren besteht deshalb darin, fehlende Daten nicht automatisch mit fehlender Kompetenz gleichzusetzen.

Eine seriöse Unternehmensprüfung muss unterscheiden zwischen «nicht nachgewiesen» und «nicht vorhanden».

Gerade für kleine Spezialbetriebe könnte es dennoch immer wichtiger werden, ihre wesentlichen Fähigkeiten verständlich und nachvollziehbar zu dokumentieren.

10. Die Risiken automatisierter Vergabeprozesse dürfen nicht unterschätzt werden

Mehr Automatisierung bedeutet nicht automatisch bessere Entscheidungen.

KI-Systeme können Unternehmensinformationen falsch zuordnen, Bewertungen missverstehen oder unvollständige Daten verwenden.

Hinzu kommen mögliche Verzerrungen zugunsten besonders gut dokumentierter oder digital präsenter Unternehmen.

Auch die Aktualität der Daten ist entscheidend.

Ein Betrieb kann heute über andere Kapazitäten, Fachkräfte oder Qualifikationen verfügen als zum Zeitpunkt einer älteren Projektreferenz.

Bei öffentlichen Ausschreibungen kommen zusätzliche rechtliche Anforderungen hinzu.

In der Schweiz müssen öffentliche Vergabeverfahren unter anderem die geltenden Regeln zu Transparenz, Gleichbehandlung, Eignung und Zuschlagskriterien beachten.

Ein KI-System dürfte deshalb nicht eigenmächtig zusätzliche, nicht vorgesehene Auswahlkriterien einführen oder Unternehmen aufgrund einer undurchsichtigen Bewertung ausschliessen.

Ausserdem müssen vertrauliche Offerten und Unternehmensinformationen angemessen geschützt werden.

Die Verantwortung für verbindliche Vergabeentscheidungen bleibt beim zuständigen Auftraggeber beziehungsweise den rechtlich verantwortlichen Personen.

KI kann die Recherche und Bewertung unterstützen. Ihre Ergebnisse müssen aber nachvollziehbar und überprüfbar bleiben.

Gerade im Bauwesen, wo Fehlentscheidungen erhebliche technische und wirtschaftliche Folgen haben können, ist diese Unterscheidung wesentlich.

11. Was sollten Schweizer Bau- und Handwerksbetriebe heute vorbereiten?

Unternehmen müssen nicht warten, bis automatisierte Vergabeprozesse breit eingesetzt werden.

Bereits heute lässt sich überprüfen, ob die wichtigsten Unternehmensinformationen digital nachvollziehbar sind.

Dazu gehören insbesondere:

Konkrete Leistungen und Spezialisierungen statt allgemeiner Branchenbeschreibungen.

Klare Unterscheidung zwischen Unterhalt, Service, Umbau, Sanierung und Neubau.

Nachvollziehbare Projektreferenzen mit tatsächlich ausgeführten Arbeiten.

Dokumentierte Qualifikationen, Bewilligungen und relevante Zertifizierungen.

Korrekte Unternehmensidentität, Standorte und Tätigkeitsgebiete.

Aktuelle und konsistente Angaben in wichtigen Unternehmensverzeichnissen und Datenplattformen.

Eine technisch zugängliche Website mit verständlichen und möglichst strukturierten Informationen.

Auch ausgewählte Projektpartner und verwendete Produkte können sinnvoll dokumentiert werden, sofern dies zulässig ist und einen erkennbaren Mehrwert bietet.

Dabei geht es nicht darum, möglichst viele Informationen zu veröffentlichen.

Entscheidend sind die Richtigkeit, Relevanz und Nachvollziehbarkeit der Angaben.

Ein Betrieb sollte zudem nicht ausschliesslich auf KI-Systeme optimieren.

Die gleichen Informationen können auch menschlichen Auftraggebern helfen, Leistungen besser zu verstehen und Unternehmen sachgerechter zu vergleichen.

12. Die eigentliche Veränderung: Wettbewerb vor der Offerte

Die vielleicht wichtigste Auswirkung KI-gestützter Beschaffung liegt nicht beim automatisierten Preisvergleich.

Sie könnte bereits einen Schritt früher beginnen.

Wenn ein KI-Agent potenziell geeignete Unternehmen recherchiert und eine Vorauswahl vorbereitet, beeinflusst die Qualität der verfügbaren Informationen möglicherweise, wer überhaupt für einen Auftrag berücksichtigt wird.

Ein Betrieb kann fachlich hervorragend geeignet sein und trotzdem bei einer ersten Recherche fehlen.

Umgekehrt darf die gute digitale Darstellung eines Unternehmens nicht automatisch als Beweis seiner tatsächlichen Leistungsfähigkeit gelten.

Daraus entsteht eine neue Herausforderung für Auftraggeber und Anbieter.

Auftraggeber benötigen zuverlässige und nachvollziehbare Auswahlverfahren.

Unternehmen müssen ihre tatsächlichen Fähigkeiten so dokumentieren, dass sie nicht nur durch persönliche Kontakte, sondern auch bei datenbasierten Recherchen erkannt werden können.

Der Wettbewerb um Bauaufträge könnte sich dadurch teilweise von der eigentlichen Angebotsphase in die vorgelagerte Unternehmensrecherche verschieben.

Die Frage lautet dann nicht mehr nur: Wer hat die beste Offerte?

Sondern zuerst: Wer erhält aufgrund seiner nachweisbaren Eignung überhaupt die Gelegenheit, eine Offerte einzureichen?

 

Hinweis und Einordnung

Dieser Beitrag beschreibt mögliche zukünftige Entwicklungen KI-gestützter Recherche-, Beschaffungs- und Vergabeprozesse. Die dargestellten Szenarien sind keine Prognosen und stellen keine allgemeingültige Beschreibung heutiger Vergabeverfahren dar. KI-basierte Unternehmensbewertungen können unvollständig oder fehlerhaft sein und ersetzen weder fachliche Eignungsprüfungen noch rechtlich vorgeschriebene Vergabeverfahren. Ratings, Zertifizierungen und Projekt-Referenzen dienen der ergänzenden Information und garantieren keine erfolgreiche Auftragsvergabe.

Quellen und weiterführende Informationen

McKinsey – Agentic AI in strategic sourcing: Hype or hero?, 28. Oktober 2026

McKinsey – Redefining procurement performance in the era of agentic AI, Februar 2026

Bundesgesetz über das öffentliche Beschaffungswesen – Art. 29 Zuschlagskriterien

simap.ch – Schweizer Beschaffungsplattform der öffentlichen Hand

Google Search Central – KI-Funktionen und Websites

handwerker.ch – Projekt-Referenzen

handwerker.ch – Schweizer Baubranchen Index

Fazit: Die Zukunft könnte den nachweisbaren Kompetenzen gehören

Die Bau- und Handwerkswirtschaft steht möglicherweise vor einer grundlegenden Veränderung ihrer Recherche-, Auswahl- und Vergabeprozesse.

KI-Agenten könnten künftig immer mehr Aufgaben übernehmen, die heute manuell durch Bauherren, Projektleiter und Einkaufsabteilungen ausgeführt werden.

Dabei geht es nicht ausschliesslich um eine schnellere Bearbeitung von Offerten.

Es geht auch um die systematische Suche nach geeigneten Unternehmen, den Vergleich dokumentierter Fähigkeiten und die Bewertung projektspezifischer Risiken.

Preise werden weiterhin wichtig bleiben. Persönliche Beziehungen, Erfahrung und Vertrauen ebenso.

Doch die Bedeutung nachvollziehbarer Unternehmensdaten, fachlicher Kompetenzen und konkreter Projektreferenzen könnte deutlich zunehmen.

Vernetzte Referenzen schaffen eine zusätzliche Möglichkeit, tatsächliche Projektleistungen und Beziehungen zwischen beteiligten Unternehmen und Produkten sichtbar zu machen.

Damit könnten sie einen Baustein zukünftiger datenbasierter Auswahlprozesse bilden.

Wir bewegen uns möglicherweise in eine Zeit, in der nicht nur zählt, was ein Unternehmen kostet oder über sich selbst behauptet – sondern was es anhand überprüfbarer Kompetenzen und konkreter Leistungen tatsächlich belegen kann.

Die grösste Veränderung könnte deshalb nicht die automatisch erstellte Offerte sein.

Sondern die automatisierte Vorauswahl der Unternehmen, die überhaupt noch eine Offerte einreichen dürfen.

Und genau darauf sollten sich Schweizer Bau- und Handwerksbetriebe vorbereiten.

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